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Auf ein Interview mit Almut Knebel

“Ich sage immer: Es gibt von jedem Bild von mir mindestens einen Liebhaber.”

Es ist Ende November, das Jahr neigt sich dem Ende zu und wir machen uns auf den Weg zu Almut Knebel. Es ist ein eher unscheinbares Haus, auf welches wir zulaufen. Almut Knebel und ihr Mann begrüßen uns schon an der Tür. Wir werden gebeten ganz nach oben ins Atelier zu gehen. Das sind ein paar Treppen, allerdings kommen wir in das Vergnügen auf dem Weg schon einiges an Kunst von ihr sehen zu dürfen.

Oben angekommen sind wir erstaunt. Der Raum unter dem Dach besitzt hohe Decken, einen größeren Balkon und große Fenster. Wir setzen uns alle im Abstand zueinander auf ein paar Stühle, ihr Mann kommt  und überreicht uns freundlich Tassen mit heißem Kaffee. Die Motive der Tassen sind schön und ungewöhnlich, es sind ihre Bilder.

Back to the Roots: Wo lag Ihr persönlicher, künstlerischer Anfang?

“Das ist eine lange Geschichte. Ganz am Anfang hätte ich Kunst gerne hauptberuflich gemacht. Das hat aus gesundheitlichen Gründen nicht funktioniert und weil mein Zeugnis zu schlecht war. Ich wollte auf die Fachoberschule für Gestaltung. Dafür musste bereits in der Bewerbungsphase  ein Praktikum nachgewiesen werden, welches ich bei einem Designer in Bochum-Wattenscheid absolvieren hätte können, dieser war von meinen Sachen sehr begeistert. Allerdings gehöre ich zu einem geburtenstarken Jahrgang und wurde damals seitens der Schule schlichtweg aussortiert.”

Das nahm Almut Knebel nicht als Niederlage, sondern sah es als Chance:

“Das war für mich ein Auftakt.”

Sie hat in jungen Jahren noch ein paar mal  versucht in den kreativen Bereich zu wechseln.

„Im Endeffekt bin ich einen anderen Weg gegangen und bin im Büro gelandet. Ich habe die Kunst weiterhin als für mich sehr wichtig erachtet und nebenberuflich weitergeführt.”

Sie besucht Weiterbildungen und Kurse, um dabei zu bleiben. 1992/93 war sie bei der ARKA -Kulturwerkstatt in Essen.

Ein sehr einschlägiger Moment in ihrem Leben, denn dort wurde bereits Kunst von Künstlern direkt gelehrt und die Auseinandersetzung mit der Kunst war dadurch professionell und hat sie bis heute tief geprägt. In Bochum-Wattenscheid lernte sie zum ersten Mal eine private Kunstschule kennen. Dort hat sie zwei, drei Jahre Seminare in verschiedensten Mal-und Zeichentechniken sowie Kunstgeschichte belegt. 2000 zog sie nach Frankfurt, wo sie die Kurse Akt-, Portraitzeichnen und das Offene Atelier in der Frankfurter Malakademie belegte.

“Irgendwann habe ich dann über eine Jugendfreundin, die selbst malt, die Freie Kunstakademie  Augsburg kennengelernt. Dort unterrichten viele Künstlerinnen und Künstler, die sich selbst auf einem hohen Niveau bewegen und ihr Wissen mit persönlicher Leidenschaft sehr kompetent weitergeben. Dort habe ich viele Techniken der Druckgrafik, zum Beispiel Cyanotypie und Experimentelle Lithographie gelernt .”

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Außerdem traf sie auf eine Kunsttechnik, welche sich “Decollage” nennt. Es ist das Gegenteil einer Collage, das Abkratzen bestimmter Stellen und das Offenlegen wird hierbei zur Kunst.

Ob Siebdruck, Decollagen, das Arbeiten mit Wachs: Almut Knebel ist offen und neugierig auf verschiedene Stile und Kunstformen. Sie probiert sich aus und kann uns zu den Erzählungen stets etwas zeigen.

Das führt uns zu der Frage, wie sie ihren eigen Stil beschreiben würde.

“Über diese Frage habe ich versucht mir kein Kopfzerbrechen zu machen. Ich habe mit Sicherheit einen eigenen Stil, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das selbst greifen soll. Ich möchte mich eigentlich auch selbst nicht festlegen.”

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Der Liebe wegen kam sie nach Hanau. Dort lebt sie jetzt mit ihrem Mann in diesem besonderen Haus.

“Das war ein Glücksgriff.”

Das Atelier war das ausschlaggebende „Argument“ für die Entscheidung der Wohnungswahl. Almut Knebel und ihr Mann sahen es sich an und verliebten  sich in diesen ganz besonderen Raum unter dem Dach.

Es gibt noch etwas, was Almut Knebel wichtig ist zu erwähnen, denn es ist ein Teil von ihr: Sie hat Parkinson. Von dieser Krankheit sind in Deutschland allein ca. 400.000 Menschen betroffen. Tendenz steigend.*

“Ich stehe  noch relativ am Anfang der Erkrankung. Ich bin in der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung im Vorstand. Wir fördern nur Projekte, bei denen die Pharmaindustrie nicht involviert ist und sind die einzige Stiftung in Deutschland, die u. a. nicht-medikamentöse Therapiemethoden unterstützt.”

Sie setzt sich für Aufklärung der Betroffenen und Stärkung der Grundlagenforschung, zur Klärung der Ursachen ein. Die Kunst gehört insofern dazu, dass die Stiftung Kunstaktionen unterstützt. Aktuell ist das zum Beispiel: Parkinson’s Art. Auch unter de.parkinsons.art zu finden.

“Künstler mit Parkinson tun sich zusammen und ihre Werke werden auf Ausstellungen versteigert, zugunsten der Initiativen, die sich für die Forschung stark machen.”

Eine internationale Ausstellung der europäischen Künstler mit Parkinson wird dazu  im nächsten Jahr in Frankfurt stattfinden.

* Quelle: Hilde-Ulrichs-Stiftung
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Nach diesen tiefen Gesprächen möchten wir gerne noch ihr Lieblingswerk von sich selbst sehen. Sie holt es aus einer Kammer, neben dem Zimmer. Es ist groß, rot und ausdrucksstark. Es ist nach dem Tod ihrer Mutter entstanden und besteht unter der Farbe aus Fotografien, die gefunden wurden, als sie die mütterliche Wohnung gemeinsam mit ihren Geschwistern ausräumte. Es sind diese Bilder, mit denen man selbst nicht so viel anfangen kann, weil die dazugehörenden Geschichten verstummten und unbekannt sind.. Es trägt den Titel „Was bleibt“.

Gemeinsam machen wir noch Fotos, sprechen über kommende Ausstellungen, das Tacheles und diese schöne Aussicht vom Balkon.

Almut Knebel ist ein Teil von Tacheles.

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5 Fakten über Almut Knebel:

  • Sie trinkt den Kaffee gerne aus der Tasse mit dem gelben Bild
  • Zum Tacheles ist sie als Mitglied des Hanauer Kulturvereins über Martin Hoppe gekommen
  • Im Tacheles sind hauptsächlich ältere Werke von ihr zu finden
  • Sie und ihr Mann sind sehr naturverbunden und die einzigen in der Nachbarschaft, die ihren Garten nicht spritzen
  • Sie malt nicht wegen Parkinson, sondern mit Parkinson
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