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Auf ein Interview mit Barbara Kroll

“Es wie eine Medizin, wie eine freie Sprache. Leidenschaft.”

Dieses Spotlight führt uns durch ein kleines Holztor, über einen kleinen, steinernen Weg, zu einer kleinen blauen Doppelhaushälfte. Unsere Künstlerin begrüßt uns direkt, sie hat uns am Fenster kommen sehen. Ihr Name ist Barbara Kroll und sie lebt in Maintal.

Betritt man den Hausflur, wird man schnell beobachtet, allerdings auf keine unangenehme Art und Weise. Um uns herum sind viele Bilder der Künstlerin, viele Gesichter, Menschen, es ist lebendig, ohne dass sich etwas bewegen muss.

Über eine weiße Treppe und einen kurzen Flur gelangen wir in das Atelier.

Die erste Frage von uns ist immer die gleiche: Wie beschreiben Sie ihren Werdegang? “Kunst begleitet mich seit meinen jüngsten Jahren – Das ist für andere schwer nachvollziehbar. Ich weiß noch, dass da von Anfang an eine Kunst war, aber wann die erste Begegnung mit Farbe, Bleistift war, das weiß ich nicht mehr.” Kunst war schon immer ihr stetiger Begleiter. Schaut man sich die Werke um uns herum an, merkt man wie sie und die Leinwände, die Pinsel und die Farbe enge Vertraute sind.

Hat unsere Künstlerin also schon sehr jung begonnen zu malen?

“Ja, angefangen hat es mit einfachen Zeichnungen, mit dem Kopieren von Werken anderer Malerinnen und Maler.“

Mit 12 Jahren gewann sie bereits ihren ersten Wettbewerb. Mit 15 ging es weiter auf ein Kunstgymnasium in Posen in Polen, das war noch vor dem Abitur. Dort studierte sie auch weiter auf der Akademie der schönen Künste. Anschließend kam sie nach Wiesbaden  an eine freie Kunstschule. Einer ihrer Lehrer, Herr Becker, beeindruckte sie mit seinem expressionistischen Stil und mit dem “was er zu sagen hatte.” An dieser Schule blieb sie fünf Jahre.

Mittlerweile ist es fast 35 Jahre her, dass sie von Polen nach Deutschland gekommen ist. Warum Deutschland? “Meine Wurzeln liegen eigentlich hier.”

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Wie würde sie ihren eigenen Stil beschreiben? “Expressionistisch und bunt”. Eine kurze, aber exakte Beschreibung der Bilder, die das Atelier um uns herum erst greifbar machen. Unter anderem das Zusammenspiel der Farben hat sie bei Herrn Becker gelernt: “Wie man die Farben mischt, damit sie zu einem bestimmten Thema passen, wie man eine Farbwelt erzeugt. Das alles hat Einfluss und man muss es beherrschen.” Die fünf Jahre Arbeit haben sich gelohnt: Die Farben harmonieren mit den Darstellungen auf den Werken, dass jedes Bild für sich zu einem eigenen Raum wird, in dem alles stimmig ist, von den Farben bis hin zu den Formen. Wir sind uns alle einig: Farbenlehre ist ein Handwerk. Sie muss gelernt und erarbeitet werden.

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Die Motive auf Frau Krolls Werken variieren, aber es sind erkennbar viele Personen zu sehen. Gesichter, verschiedene Körperhaltungen von gebeugt sitzend mit einer Zigarette bis hin zu anmutig stehend. Was sind ihre Inspirationen für die Motive? Wie kommt es zu diesen individuellen Kompositionen? “Es ist wie eine Medizin, wie eine freie Sprache. Leidenschaft. Es basiert auf Wissen, Übungen und Intuition.” Was möchte sie mit ihren Bildern ausdrücken? Ausgehend von ihrem expressionistischen Einflüssen, sind diese Bilder eine Erweiterung der eigenen Gefühle, der eigenen Gedankenwelt. Eine Steigerung des eigenen Ausdrucks. Das trifft auch bei Frau Kroll zu: “Es ist die Suche nach einem Weg, einem Versuch die eigenen Gefühle nach außen zu transportieren, Selbstvertrauen aufzubauen, schwierigere Lebensabschnitte zu bewältigen.” Kunst ist befreiend. Für sie ist es ein Kommunikationsmedium, wie für manche anderen Menschen Briefe oder Emails.

Frau Kroll liest die nächste Frage vor: Was ist ihr Lieblingswerk von Ihnen? Gleichzeitig hat sie schon eine Kiste in der Hand, sie möchte uns zu dieser Frage lieber etwas anderes zeigen. Vor uns auf dem Tisch werden viele Blätter in verschiedenen Größen verteilt. “Es ist wie Momente mit Kunst einzufangen.” Genau das ist es auch. “Das ist es, was mich am meisten beschäftigt, die Beziehungen zwischen verschiedenen Dingen.” Das hält sie in dieser Form von Skizzen fest. Schwarze und rote Linien finden sich auf dem Papier zusammen. Sie Zeigen Formen von Menschen und Gegenständen auf bizarre und interessante Art und Weise. Bestimmte Facetten werden dabei hervorgehoben. Es ist der Prozess vom ersten Eindruck, über eine Skizze zum fertigen Werk. Die “Kurzgeschichten”, wie sie sie nennt, können auf ihrer Facebook Seite (barbara.kroll.9) angesehen werden.

Wir diskutieren noch etwas über Kunst an sich, was sie ausmacht. In jeder Ecke des kleinen blauen Hauses findet man etwas neues. Es sind die Details, die es zugleich liebevoll machen. Und heimisch. Barbara Kroll ist ein Teil von Tacheles.

5 Fakten über Barbara Kroll:

  • Ob Medizinschrank, ein kleines Schild am Eingang, alles trägt mit kleinen Bildern ihre Handschrift.
  • Sie besitzt zwei Schaufensterpuppen, die sie für Fotos vor ihren Werken platziert und die angemalt sind.
  • Der Weg vom Tor zu ihrem Hauseingang riecht nach Erdbeeren.
  • Neben Darstellungen von Menschen sind auch oft Hunde und Katzen zu finden.
  • Neben dem kleinen blauen Haus befindet sich ein kleiner grüner Garten.
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