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Auf ein Interview mit Chris Ködel

“Kunst ist für mich pure Freiheit.”

Hanau schafft es immer wieder sich als Märchenstadt  im Gedächtnis der Menschen zu etablieren, was unter anderem an Orten wie diesem liegt. Uferkunst befindet sich in der Offenbacher Landstraße 111 und ist wahrlich ein Zaubergarten. Leicht versteckt, lohnt sich der Weg und der Anblick dieses Grundstücks allemale.

 

Direkt am Main, Bäume, Büsche, ein großes, älteres Haus. Es ist die Bildhauerwerkstatt von Reinhold Mehling. Tatsächlich sind wir heute wegen jemand anderem hier: Dem Künstler Chris Ködel. Bekannt ist er durch seine Skulpturen aus Stahl, aber auch Holz und Stein. 2018 machte er ein Praktikum bei der Uferkunst. Noch gar nicht lange her, deshalb die Frage: Wie ist er überhaupt zur Kunst gekommen?

“Wie bin ich Künstler geworden? Ich glaube das hatte ich schon immer in mir.”

Begonnen hat er in seinen zwei Wochen Praktikum mit einer Steinskulptur, die auch heute noch im Garten zu finden ist.

“Hier ist mir die Chance gegeben worden, das alles deutlich mehr auszuleben.”

Die teilweise fast lebensgroßen Skulpturen sind hier überall zu finden. Ständig sieht man etwas Neues. Einen roten Faden erkennt man an den Schweißarbeiten, Muttern, die sich durch seine Arbeit in menschliche Körper verwandeln. Sinnlich, elegant, zum Greifen nahe und doch so unantastbar. Stahl kann diesen Eindruck mit sich bringen. Das sind die Arbeiten, die wir auch aus dem Tacheles kennen. Aber das Material, mit dem unser Künstler gerne arbeitet ist so breit aufgestellt, wie die Endergebnisse.

Ob Stahl, Holz oder Stein, ob Skulpturen oder Möbel. Wie würde er denn seinen eigenen Stil beschreiben?

“Ich kann meinen Stil nicht beschreiben, da ich nicht wirklich in irgendeine Schublade passe…  Da meine Reise gerade erst begonnen hat, kann ich nicht sagen, dass ich in irgendeine Richtung gehe, sondern ich bin einfach gespannt, was noch kommt.”

Wir definitiv auch.

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Hat er das alles gelernt?

“Ich bin Autodidakt. Gelernt habe ich Autolackierer, aber schnell gemerkt, das ist nichts für mich.”

Das Schweißen hat er in einer Firma für Maschinenverleih gelernt. “2011 hab ich meine erste Skulptur gemacht. Aus Muttern, aus M8 Muttern. Das waren knapp 3000 Stück.” Sofort fällt mir sein Instagram Name ein: m8_design. Bis 2018 sind dann schließlich drei / vier Objekte entstanden. Sein Hauptwerkzeug, das Schweißgerät? “Ich würde sagen: Meine zwei Hände.” Bei den unterschiedlichen Darstellungen fragen wir uns natürlich auch: Woher nimmt er die Inspirationen?

“Komplett unterschiedlich. Manchmal sehe ich etwas und muss das Sammeln. Wie Fahrradkassetten zum Beispiel. Die habe ich gesammelt und dachte irgendwann: Okay, da kannst du ja zwei Flügel daraus machen. Ich lasse mich da absolut leiten.”

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Aufgrund dieser Flügel, die in unserer Nähe an einer Wand hängen, kommen wir wieder auf die Körperformen zurück, die meinen Kollegen und mich im Tacheles schon so beeindruckt haben. Warum Körper?

“Ich mache Kunst von Menschen für Menschen. Die Ästhetik ist einfach da.”

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Was ist Kunst für dich?

“Kunst, Manifestation von Gefühlen. Kunst ist für mich pure Freiheit. Es gibt keine Regeln. Kein richtig, kein falsch. Es gibt keine Vorgaben und gerade ich als Autodidakt, kann mich komplett ausleben.”

Möchte er die Betrachterin oder den Betrachter das auch sehen lassen? “Ich finde es spannend zu sehen, wie Menschen interpretieren was ich mache. Jeder sieht das, was er sehen möchte. Ich gebe ihnen nichts vor.” Er möchte die Fantasie der Menschen anregen. Das schafft er, auch wir standen lange vor seinem Werk im Tacheles, waren berührt und fanden es umwerfend zugleich. Wie ist Chris zum Kunstkaufladen gekommen? “Zu Fuß.” Das Lachen tut so gut, wie das Gespräch an sich. Die Mutter seiner Freundin hat es in der Zeitung gesehen. “Dann ging alles ganz schnell. Freitags hat sie mir davon erzählt, Samstag sind wir hingefahren.” Sein persönlicher Favorit steht dort nicht: Ein Körper aus Euro-Stücken. Diesen dürfen wir hier betrachten. Dynamisch, die Spirale wirkt lebendig und hängt wie ein Versprechen in der Luft. Man wartet auf den Rest des Körpers, hier gehört das Warten auf “Vollständigkeit” zur Kunst dazu.

Außerhalb des Kunstkaufladens ist Chris bei der Uferkunst zu finden. Wenn das Tor zum Radweg am Wasser offen ist, kann man auf einen Kaffee und eine spannende Unterhaltung den Zaubergarten betreten. Wir hätten noch gerne die Gespräche und die magische Atmosphäre genossen, aber diesmal werden wir von einem Gewitter überrascht. Alle Nass, aber lächelnd, winken wir uns durch die Autofenster zu.

Chris Ködel ist ein Teil von Tacheles.

Fünf Fakten über Chris Ködel:

  1. Er stellte mal Ringelblümchen aus Metall-Stücken her, um diese zu verschenken
  2. In seinen Flügeln, sieht jeder etwas Anderes: Engel, Raben oder Drachen
  3. Bei seinen Skulpturen geht es nicht nur um das Aussehen, auch das Gefühl bei der Berührung muss stimmen
  4. Dort, wo er meistens schweißt steht der Spruch “Alles wirkliche Leben ist Begegnung” an einer Wand
  5. Das war sein erstes Interview

Schaut direkt bei Chris vorbei!

Instagram: @m8_design   Facebook: @ChrisM8Design

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