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Auf ein Interview mit Susana Infurna Buscarino

“Kunst ist ein tolles Medium um bei sich selbst und mit sich selbst zu sein.”

Die Räumlichkeiten unserer neuen Interviewpartnerin liegen heute ganz nahe, zu Fuß können wir es erreichen. Es gehört zu den Geschäften, an denen man sehr oft vorbeikommt, es wahrgenommen hat und dennoch nicht hineingegangen ist. Heute ist es soweit: Wir betreten das Atelier.

 

Gemütlich setzen wir uns zwischen viele verschiedene Werke, egal wo man hinsieht: Farben, Formen, Gesichter. Alles ist da, der Kaffee ist heiß und die Sonne scheint durch die großen Schaufenster.

Der Beginn eines neuen Spotlight, mit einer bekannten Frage: Wie bist du zur Kunst gekommen?

“Ich hab als Kind schon gerne gemalt, zum Beispiel in der Schule, danach allerdings viele Jahre gar nicht mehr. Ich habe das aus den Augen verloren und irgendwann im Erwachsenenalter, bei meiner damaligen Chefin in der Wohnung, ein Acrylbild gesehen und dachte: Das gefällt mir, das möchte ich auch wieder machen.”

Das ist es, was Kunst mit uns machen kann: Der Anblick eines Werkes reicht manchmal, um eine große Veränderung zu bewirken.

Susana buchte sich zunächst einen Wochenendkurs, die Faszination von Acrylfarben und deren Wirkung in der Kunst blieben darüber hinaus bestehen:

“So hatte ich wieder in die Kunst zurückgefunden.”

Über die Jahre hinweg besuchte sie verschiedene Kurse und Seminare bei unterschiedlichen Dozenten. Irgendwann traf sie die Entscheidung an der Freien Kunstakademie in Bonn einen Studiengang zu belegen, dieser ging über vier Jahre und wurde von ihr erfolgreich abgeschlossen:

“Seitdem bin ich weiterhin dabei und male.”

Sie lächelt während sie uns davon erzählt.

So viel Kunst um uns herum, es handelt sich um eine Gemeinschaft, deshalb die unterschiedlichen Stile. Wie würde sie ihren eigenen beschreiben?

“Mein Stil, würde ich sagen, ist gegenständlich, figürlich. Das sieht man auch in meinen Bildern, überwiegend figurativ. Oftmals Mensch oder Tier, es gibt aber auch das ein oder andere an freien Arbeiten.”

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Unter “freien Arbeiten” sind abstrakte Abbildungen zu verstehen. Mehr Farben oder ungegenständliche Formen, viel geht es um Empfindungen und die eigene Wahrnehmung.

Wie kommt sie zu ihren Motiven? Die Inspiration dahinter ist immer faszinierend.

“Oftmals ist es ein Motiv, was ich irgendwo gesehen habe. Vielleicht in einer Zeitschrift oder als Ausdruck im Gesicht eines Menschen oder von einem Tier. Manchmal mache ich auch ein Foto und da sehe ich dann etwas ganz Spezielles, was mich anspricht und das möchte ich dann gerne umsetzen auf der Leinwand. Nicht unbedingt nur das Motiv an sich, sondern manchmal mit einem erfundenen Hintergrund oder in der Kombination mit etwas anderem. Das kommt aber immer während dem Malen.”

Sie lässt sich auf die Darstellungen ein, Gesichtsausdrücke können auf ihren Werken klar erkennbar sein und doch mit dem Hintergrund verschmelzen.

“Ich hab nicht immer einen Plan. Ich habe den Protagonisten, der mir gefällt und möchte diesen dann darstellen.”

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Eine Ausnahme bei der Motivsuche bildet zum Beispiel ihre Hunde-Serie Who let the dogs out. Die Inspiration dazu entstand, als sie die Tiere mit ihren Besitzerinnen und Besitzern im Vorbeilaufen beobachtete, wenn sie im Freien ausstellte. Die Ähnlichkeiten beider Parts wollte sie in Bildern auffangen.

Auf ihrer Website sind auch viele ihrer ungegenständlichen Werke zu finden. Sie zeugen von Lebendigkeit, mein erster Gedanke war es, dass auch darin ein Ausdruck wie in Gesichtern zu finden ist. Für mich wirkte es so, als bilden sich hier die Gefühlslagen, die sich in einem Gesicht erkennen lassen, klar und pur ab. Emotionen in Reinform.

“Bei den freien Arbeiten ist es tatsächlich so, dass man mal so richtig aus den Vollen schöpft und seine Wut oder andere Emotionen rauslassen kann und einfach schaut, was so passiert, ganz unabhängig vom Ergebnis.”

Unsere heutige Künstlerin experimentiert gerne und viel mit unterschiedlichen Stilen und Materialien, ob Tusche, Aquarell oder eben Acryl. Von Collagen, über freie Arbeiten, sie probiert gerne alles aus. Deshalb sagt sie selbst:

“Im Moment ist die Reise noch komplett offen, ohne irgendein Ziel.”

Oftmals gibt es eine Künstlerin oder einen Künstler, von denen wir besondere Inspiration schöpfen. Bei Susana ist das Xenia Hausner, eine österreichische Künstlerin und Bühnenbildnerin, die sich thematisch mit Menschen in verschiedenen Bildwelten beschäftigt.

“Mittlerweile habe ich noch Rayk Goetze, den ich sehr mag. Letztes Jahr durfte ich einen Kurs bei ihm belegen. Ein ganz anderer Stil, eher italienisch, aus der Renaissance inspiriert”

Zum Tacheles kam sie über ihre Mitgliedschaft im Kunstverein Art 13 und über den Fachbereichsleiter für Kultur, Martin Hoppe.

Was ist Kunst für dich?

“Kunst ist für mich eine Reise. Ich finde auch, es ist eine Art von Persönlichkeitsfindung. Man durchlebt gewisse Stadien beim Malen, oftmals ist es nicht nur Freude oder Leidenschaft, es ist auch Selbstzweifel und Wut. Kunst ist ein tolles Medium um bei sich selbst und mit sich selbst zu sein.”

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Wir trinken gemütlich aus, lassen uns Bücher ihrer Lieblingskünstlerinnen und Künstler zeigen und sprechen über ihre Werke.

Susana Infurna Buscarino ist ein Teil von Tacheles.

5 Fakten über Susana Infurna Buscarino

  • Ihr Lieblingsbild von sich selbst bildet ihren Kater ab, mit dem sie viele schöne Jahre verbracht hat.
  • Sie geht auch privat gerne ins Tacheles und unterstützt Kolleginnen und Kollegen. .
  • Das Atelier teilt sie sich mit zwei weiteren Künstlerinnen.
  • Vereinssitzungen von Art 13 finden auch in diesen Räumen statt.
  • Der Kurs von Rayk Goetze, den sie besuchte, war einer seiner letzten, bis er 2022 einen weiteren gibt.

 

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