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Auf ein Interview mit Udo Reckmann

“Es ist der Mensch, der Kunst ist.”

Die Sonne scheint angenehm und wir sitzen im Halbschatten auf der Terrasse des Künstlers Udo Reckmann. Tee, Kaffee, Wasser und Kekse stehen auf dem Tisch zwischen uns. Schnell wird klar: Es ist mehr ein angenehmes, tiefsinniges Gespräch, als ein gewöhnliches Interview.

Udo Reckmann lehnt sich entspannt in seinem Stuhl zurück als er uns erzählt, wie er zur Kunst gekommen ist. Er hat sich schon während der Schul- und Studienzeit viel mit Kunst auseinandergesetzt, überlegte sogar kurzzeitig es zu studieren, entschied sich dann aber doch für Biologie. Die Verbindung beider Interessen wollte er dennoch nicht zu seinem Hauptziel machen: “Ich wollte nicht nur Blumen malen, weil ich Botanik als Schwerpunkt hatte, aber das Interesse am Leben ist generell da und alles was Leben ausmacht, wie das Menschsein, mein Interesse geht über die eigentliche Biologie hinaus.”

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Danach ging er in die Industrie, hat geforscht und verdiente dort gutes Geld, aber die Kunst blieb ein stetiger Begleiter. Mit Anfang 30 ging es schließlich los, zuerst neben dem Job, dann juckte es unter den Fingern und er entschied sich für die Kunst. Mittlerweile macht Udo Reckmann das seit acht Jahren hauptberuflich, “so wie es mir gefällt”. Als der Weg schließlich erst nach Frankfurt und dann nach Hanau führte, bezog er ein Atelier in Fechenheim, eine ehemalige Pigmentfabrik – thematisch passend. Stilistisch würde er sich selbst bei expressivem Realismus einordnen, dies umfasst aber nicht alle seine Werke.

Ein wichtiges Thema für ihn, ist die Bindung zwischen Betrachter und Werk: “Wenn ich das immer verfolge, wie Betrachter und Bild sich finden, dann ist das Liebe auf den ersten Blick. Das geht innerhalb von Sekunden – einfach toll.” Ich persönlich bin immer an dem Hintergrund zu Motiven interessiert, unser Künstler sieht das anders: “Für mich muss ein Bild immer für sich stehen, unabhängig davon, was sich irgendwer dabei gedacht hat, muss das Bild dem Betrachter irgendwas sagen.” Als ich einige seiner Werke in seinem Atelier sehe, kann ich diese Aussage nachvollziehen, bei vielen fühlt man sich als Teil der Kunst, der Betrachter gehört dazu.

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Bei seiner Reihe von rumänischen Straßenhunden ist die Erklärung jedoch wichtig. “Mir ging es nicht darum süße Hunde zu malen, sondern das sind alles individuelle Begegnungen von verwilderten Straßenhunden in Rumänien.” Die Bilder zeigen nicht nur ein Aufeinandertreffen, sondern in den Augen der Hunde kann man auf etwas fast vergessenes blicken: “Es hat noch dieses Wilde. Es ist eigentlich kein wildes Tier mehr, weil sich der Hund schon durch die Nähe zum Menschen genetisch verändert und angepasst hat.” Seine Motive entstehen allgemein meistens aus Momenten heraus, wie er berichtet. Das hat etwas wunderbar willkürliches, ohne es direkt zu sein.

Was ist für ihn Kunst? Er berichtet von dem Buch Was ist Kunst…? 1080 Zitate geben 1080 Antworten: “Das ist der Mensch. Der Mensch ist Kunst. Nur der Mensch kann Kunst machen bisher. Das was den Menschen auszeichnet ist, dass er Kunst macht und das scheint ein Urbedürfnis zu sein. Das ist Kunst für mich. Kunst ist Mensch sein.”

So sitzen wir noch eine Weile auf der Terrasse, genießen die Sonne und lassen diese starken Sätze nachwirken. Udo Reckmann ist ein Teil von Tacheles.

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Fünf Fakten über Udo Reckmann:

  • Er ist im Vorstand des Hanauer Kulturvereins
  • Er ist durch diese Position über Martin Hoppe zu Tacheles gekommen
  • In seiner Wohnung befindet sich versteckt zweimal der Kölner Dom, einer ist eine Ausstechform für Plätzchen
  • Seine Frau dekoriert die Wohnung und tauscht dabei regelmäßig seine Werke untereinander aus
  • Die Rosen in seinem Garten riechen wie “Rosenseife, ohne Seife”
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